{"id":108,"date":"2011-02-09T22:03:06","date_gmt":"2011-02-09T21:03:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/?p=108"},"modified":"2012-03-01T18:20:41","modified_gmt":"2012-03-01T17:20:41","slug":"der-jungling-aus-dem-julius-hospital","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/02\/09\/der-jungling-aus-dem-julius-hospital\/","title":{"rendered":"Der J\u00fcngling aus dem Julius-Hospital"},"content":{"rendered":"<p>Kleist mag W\u00fcrzburg nicht, er schreibt verbl\u00fcffend bissig \u00fcber die ihm viel zu katholische Stadt. Kurze Bemerkungen in vorherigen Briefen \u00fcber die Zwischenstationen seiner Reisen kennen wir schon, allenfalls kurze Stichpunkte \u00fcber Sehensw\u00fcrdigkeiten, an denen die Postkutsche vorbeirollt, mehr nicht. Aber in W\u00fcrzburg, September 1800, am, wie er jetzt festlegt, Endpunkt seiner geheimnisumwitterten Reise, \u00e4ndert sich der Stil seiner Beschreibungen: Aus den typischen, in Eile hingeworfenen kurzen Briefen werden eindeutig um einen literarischen Anspruch bem\u00fchte Texte. \u00dcbt Kleist f\u00fcr seinen neuen Lebensplan, Dichter zu werden?<!--more--> R\u00e4tselhaft ist insbesondere in seinem <a title=\"Brief an Wilhelmine von Zenge vom 13. bis 18. September 1800 auf kleist.org\" href=\"http:\/\/www.kleist.org\/briefe\/022.htm\" target=\"_blank\"><em>Brief an Wilhelmine von Zenge vom 13. bis 18. September 1800<\/em><\/a> die Beschreibung eines achtzehnj\u00e4hrigen J\u00fcnglings aus dem W\u00fcrzburger Julius-Hospital, <em>der noch vor Kurzem bl\u00fchend sch\u00f6n gewesen sein soll u. noch Spuren davon an sich trug<\/em>. \u00dcber eine halbe Seite versteigt sich Kleist in eine mehr von Ekel als von Mitleid gepr\u00e4gte Beschreibung eines dahinsiechenden Irren.<\/p>\n<p>Jens Bisky hat in seiner Kleistbiografie darauf hingewiesen, dass Kleist hier \u00fcber einen an den schrecklichen Folgen der Onanie zugrundegehenden schreibt, und in der Tat dr\u00e4ngt sich, wenn auch nicht explizit die Ursache der schrecklichen Krankheit genannt wird, diese Assoziation auf. Die Verteufelung der Selbstbefriedigung mag zeittypisch gewesen sein; auff\u00e4llig ist der Umfang der Beschreibung und ihr ausufernder Stil. Der Anblick dieses Mannes muss Kleist sehr besch\u00e4ftigt haben, ja; und der Gedanke dr\u00e4ngt sich auf, dass Kleist seine Erlebnisse im Julius-Hospital genutzt hat, sich auf die Suche nach seinem eigenen literarischen Stil zu begeben.<\/p>\n<p><em>M\u00e4dchen! Wie gl\u00fccklich wirst Du sein! Und ich! Wie wirst Du an meinem Halse weinen, hei\u00dfe innige Freudenthr\u00e4nen!<\/em> \u2013 Seine Euphorie zu Beginn des Briefes wird, ich bleibe bei der These, nicht unbedingt etwas mit dem Verlust seiner Vorhaut zu tun haben; wom\u00f6glich hat Kleist aber neue Pl\u00e4ne f\u00fcr die Zukunft, vielleicht er\u00f6ffnet sich ihm mit der Aussicht auf ein Dichterdasein eine neue Chance auf eine Ehe mit Wilhelmine und Struktur in seinem Leben, mit Lebensplan, Ruhm, Geld und allem Drum und Dran.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleist mag W\u00fcrzburg nicht, er schreibt verbl\u00fcffend bissig \u00fcber die ihm viel zu katholische Stadt. 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