{"id":269,"date":"2011-07-31T09:43:16","date_gmt":"2011-07-31T07:43:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/?p=269"},"modified":"2012-03-01T18:20:19","modified_gmt":"2012-03-01T17:20:19","slug":"wenn-irgend-die-sache-gut-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/07\/31\/wenn-irgend-die-sache-gut-geht\/","title":{"rendered":"&#8230; wenn irgend die Sache gut geht"},"content":{"rendered":"<p>Wenn Kleist einen Brief an seine Schwester Ulrike schrieb, dann war das fast immer ein Brief mit gewisserma\u00dfen politischem Hintergrund: Sie war in seinem Leben wohl die wichtigste, streckenweise einzige Geldgeberin f\u00fcr ihn, und Briefe an sie waren immer auch Bitten um weitere finanzielle Unterst\u00fctzung, mal ganz offen, mal eher versteckt. In seinem <a title=\"Brief an Ulrike von Kleist vom 8. Februar 1808 auf kleist.org\" href=\"http:\/\/www.kleist.org\/briefe\/129.htm\" target=\"_blank\"><em>Brief an Ulrike von Kleist vom 8. Februar 1808<\/em><\/a> schildert er seine Pl\u00e4ne f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit, voller Optimismus \u2013 und wir wissen nicht, ob dieser Optimismus gespielt war, um sie zu weiteren Zahlungen an ihn zu bewegen, oder ob er glaubte an das, was er schrieb. Wir wissen nur, dass keine, wirklich keine der vielen Unternehmungen, die er in dem Brief ank\u00fcndigte, am Ende gelang.<!--more--><\/p>\n<p>Gehen wir den Brief einmal im einzelnen durch:<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"60%\"><em>Es ist kein Zweifel, da\u00df wir, was den Verlag des Ph\u00f6bus betrifft, damit auskommen werden. Auf den 1<sup>t<\/sup> Jan. 1809, wenn irgend die Sache gut geht, kriegst du dein Geld wieder. (&#8230;)<\/em><\/td>\n<td width=\"40%\">Bereits wenige Wochen sp\u00e4ter war die Geldnot gro\u00df, die Kosten der Zeitschrift \u00fcberwogen bei weitem den Ertrag, das Interesse war lange nicht so gro\u00df wie erhofft. Ulrike hat ihr Geld, das sie Kleist geliehen hatte, nie wiedergesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><em>Stelle Dir vor, da\u00df wir von der Regierung, als eine Gesellschaft von Gelehrten, h\u00f6chstwahrscheinlich (die Sache ist schon so gut, als gewi\u00df) eine kostenfreie Concession zum Buchhandel erhalten werden; die vier Buchh\u00e4ndler die hier sind, treten allzusammt dagegen auf, doch man ist festentschlossen, die Concurrenz zu vergr\u00f6\u00dfern. (&#8230;)<\/em><\/td>\n<td>Die etablierten Dresdner Buchhandlungen wehrten sich erfolgreich gegen die Zulassung einer weiteren, die Konzession wurde nicht erteilt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><em>Ferner: die Familie Hardenberg hat uns beauftragt, die gesammten Schriften des Novalis (Hardenberg-Novalis, von dem du mir nicht sagen wirst, da\u00df du ihn nicht kennst) zu verlegen, und verlangt nichts, als die Veranstaltung einer Prachtausgabe. (&#8230;)<\/em><\/td>\n<td>Ohne Verlagsbuchhandlung und Kapital auch keine Herausgabe der Schriften von Novalis.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><em>Auch G\u00f6the und Wieland haben geschrieben, und werden an unserm Journal Antheil nehmen.<br \/>\n<\/em><\/td>\n<td>Fast alle hochfliegenden Pl\u00e4ne, externe Autoren in den Ph\u00f6bus einzubinden, scheiterten, Goethe ging auf deutliche Distanz, auch Wieland, lange Zeit ein gro\u00dfer F\u00f6rderer Kleists, lie\u00df ihn im Stich.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><em>Der zerbrochene Krug (ein Lustspiel von mir) wird im Februar zu Weimar aufgef\u00fchrt, wozu ich wahrscheinlich mit R\u00fchle (der Major und Kammerherr geworden ist), wenn der Prinz dahingeht, mitreisen werde. (&#8230;)<\/em><\/td>\n<td>Der wohl ber\u00fchmteste Flop der deutschen Theatergeschichte: Goethe setzte die Urauff\u00fchrung in den Sand. Kleist war bei dem Desaster nicht anwesend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Aus der R\u00fcckschau liest sich der Brief, der so optimistisch und voller Hoffnung erscheinen soll, entsetzlich bitter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Kleist einen Brief an seine Schwester Ulrike schrieb, dann war das fast immer ein Brief mit gewisserma\u00dfen politischem Hintergrund: Sie war in seinem Leben wohl die wichtigste, streckenweise einzige Geldgeberin f\u00fcr ihn, und Briefe an sie waren immer auch &hellip; <a href=\"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/07\/31\/wenn-irgend-die-sache-gut-geht\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[18,24,19,12],"class_list":["post-269","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-briefe","tag-entscheidungen","tag-glueck","tag-lebensentwuerfe","tag-ulrike"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=269"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":274,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/269\/revisions\/274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}