{"id":345,"date":"2011-09-11T13:49:27","date_gmt":"2011-09-11T11:49:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/?p=345"},"modified":"2012-03-01T18:19:49","modified_gmt":"2012-03-01T17:19:49","slug":"kleist-der-11-september-und-die-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/09\/11\/kleist-der-11-september-und-die-gewalt\/","title":{"rendered":"Kleist, der 11. September und die Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>Ausufernde, unb\u00e4ndige, hemmungslose Gewalt ist faszinierend. Wir k\u00f6nnen nicht wegschauen. Vor zehn Jahren lief hinter den Kl\u00f6ppels und Wickerts dieser Welt in Endlosschleife das immer gleiche Video, rund um die Uhr: Der monstr\u00f6seste Terroranschlag, den die Welt bis dahin gesehen hatte. Die ultimative Gewaltszene. Nicht im Kino, wo vergleichbare Szenen h\u00e4ufig zu sehen sind, sondern in echt. Und wir haben bis heute den Schock nicht verarbeitet. Das zeigen die vielen Gedenksendungen, -veranstaltungen und Sonderseiten. Die zahlreichen publizistischen Versuche sind Zwischenergebnisse, nicht mehr, mal gelungen, mal weniger. Einer der gelungenen: Die Sonderbeilage der S\u00fcddeutschen Zeitung an diesem Wochenende, die acht Menschen, deren Leben durch den 11. September 2001 eine neue Richtung nahm, portr\u00e4tiert. Sie zeigt Menschen, keine brennenden T\u00fcrme, erz\u00e4hlt Geschichten und keine Kurzchronik der Ereignisse und r\u00fcckt das Unfassbare ganz nah, aufw\u00fchlend nah. Ganz gro\u00dfer Journalismus.<!--more--><\/p>\n<p>Kleists Faible f\u00fcr Gewalt habe ich hier bereits mehrfach thematisiert. Das ungebremste Krachen eines vollbesetzten Verkehrsflugzeugs in ein Hochhaus, \u201everdampfende\u201c K\u00f6rper, aus dem Fenster in den sicheren Tod springende Menschen, er h\u00e4tte diese Berichte und Bilder sicher gierig aufgesogen. In seinen Werken spritzen Hirn und Blut \u00fcber die W\u00e4nde, B\u00e4ren fressen Menschen auf offener B\u00fchne, und wenn es um Liebe geht, reimen sich Bisse auf K\u00fcsse.<\/p>\n<p>Das fast abstrakte Grauen der Luftbilder von den einst\u00fcrzenden T\u00fcrmen ist dabei seine Sache weniger, er geht nah dran an die Gewalt gegen einzelne Menschen, gerne auch gegen seine Hauptpersonen. Das ist extrem unangenehm. Auch in Sachen 9\/11 ist das zu merken: Es ist deutlich leichter, Fotos der brennenden Twin Towers bei Google zu finden als Bilder von einzelnen Menschen, die dabei waren. So grauenhaft und faszinierend zugleich die Videoschleife mit dem Luftbild ist, viel grauenhafter und nicht zu ertragen w\u00e4re die Gro\u00dfaufnahme von einzelnen Menschen in Angst und Schrecken, denen Gewalt angetan wird oder die Zeuge der Gewalt werden. Kleist dagegen zoomt gnadenlos auf diese einzelnen und stellt sie live auf die B\u00fchne oder, in seinen Erz\u00e4hlungen, vor unser geistiges Auge.<\/p>\n<p>Insofern ist es ein Verdienst der S\u00fcddeutschen Zeitung, dass es ihr gelungen ist, in Zusammenhang mit dem ungeheuren Terroranschlag wieder einzelne Menschen in den Fokus zu stellen. Auch das ist teilweise schwer zu ertragen, aber es ist, gerade weil es fern von jedem vordergr\u00fcndigen Katastrophenvoyeurismus ist, immer sehr menschlich und anr\u00fchrend. Und so ist es auch bei Kleist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausufernde, unb\u00e4ndige, hemmungslose Gewalt ist faszinierend. Wir k\u00f6nnen nicht wegschauen. Vor zehn Jahren lief hinter den Kl\u00f6ppels und Wickerts dieser Welt in Endlosschleife das immer gleiche Video, rund um die Uhr: Der monstr\u00f6seste Terroranschlag, den die Welt bis dahin gesehen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/09\/11\/kleist-der-11-september-und-die-gewalt\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[21,22],"class_list":["post-345","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-und-ueberhaupt","tag-gewalt","tag-terrorismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/345","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=345"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/345\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":508,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/345\/revisions\/508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=345"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=345"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=345"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}