{"id":569,"date":"2012-03-11T13:23:51","date_gmt":"2012-03-11T12:23:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/?p=569"},"modified":"2012-03-11T13:23:51","modified_gmt":"2012-03-11T12:23:51","slug":"vielen-dank-und-schluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/03\/11\/vielen-dank-und-schluss\/","title":{"rendered":"Vielen Dank \u2013 und Schluss"},"content":{"rendered":"<p>Es war ein spannendes Jahr \u2013 das habe ich allein daran gemerkt, wie schwer es mir fiel, nach dem Zuschlagen meiner drei dunkelblauen Hanser-B\u00fccher am 31. Dezember auch innerlich loszulassen und mich von meiner so zur notwendigen Gewohnheit gewordenen fast t\u00e4glichen Kleistlekt\u00fcre zu trennen. Jetzt, Anfang M\u00e4rz 2012, wird es dann aber doch Zeit abzuschlie\u00dfen, zur\u00fcckzuschauen und den Blick zu sch\u00e4rfen f\u00fcr neue Projekte.<!--more--><\/p>\n<p>\u201eMein Kleistjahr\u201c war ein gelungenes Jahr. Alles, was ich mir erhofft hatte von der intensiven Besch\u00e4ftigung mit diesem Autor, ist in Erf\u00fcllung gegangen. Ich habe Kleist als Mensch und als Autor so intensiv kennengelernt, dass es zwischendurch wehtat. Kleist macht es ja niemandem leicht. Er ist voller unertr\u00e4glicher Widerspr\u00fcche, er fasziniert und st\u00f6\u00dft ab, manchmal nervt er ganz entsetzlich. Und dann schreibt er Szenen wie das Ende von <em>Prinz Friedrich von Homburg<\/em>, und ich liege da mit Tr\u00e4nen in den Augen, Herzklopfen und Klo\u00df im Hals, und es ist das Sch\u00f6nste und Bewegendste, was in deutscher Sprache jemals geschrieben worden ist.<\/p>\n<p>Er st\u00f6\u00dft Wilhelmine br\u00fcsk zur\u00fcck. Er reflektiert \u00fcber das Fasttotsein, nachdem seine Kutsche umst\u00fcrzte. Er beschreibt die schreckliche, unfassbar gewaltt\u00e4tige Entfesselung eines Mobs. Er verurteilt den gewaltsamen Kampf eines einzelnen kleinen Kaufmanns gegen die ihm widerfahrene Ungerechtigkeit der Obrigkeit und sorgt auf wundersam ironische Weise am Ende doch noch f\u00fcr Gerechtigkeit. Schlafende, schlafwandelnde, im Schlaf sprechende, Entr\u00fcckte stehen immer wieder im Zentrum. Er versucht immer wieder Neues, fast immer scheitert er \u2013 seine vielen Lebensentw\u00fcrfe passen viel besser in unsere Zeit als in seine. Heute h\u00e4tte er vielleicht \u00fcberlebt, aber sicher nicht mit viel mehr Geld als damals, vielleicht zus\u00e4tzlich mit ein paar Antidepressiva in der Tasche. Und irgendwelche freien Berliner Hinterhoftheater h\u00e4tten ihn auch gespielt, und ein paar Euro pro Vorstellung, auf jeden Fall nie genug, w\u00e4ren wom\u00f6glich auch an ihn geflossen.<\/p>\n<p>Meine bewegendsten Momente bei der Lekt\u00fcre gab es in der R\u00fcckschau sicher bei <em>Penthesilea<\/em> und <em>Das Erdbeben in Chili<\/em>. \u00dcberaus erhellend und begl\u00fcckend war die erneute Lekt\u00fcre von <em>Amphitryon<\/em> und <em>Der zerbrochne Krug<\/em>. Entt\u00e4uschend fand ich <em>Das K\u00e4thchen von Heilbronn<\/em>, spannend h\u00f6chstens dabei wahrzunehmen, was dabei herauskommt, wenn ein Kleist in massiver Geldnot ein kommerzielles St\u00fcck schreibt. Wirklich \u00e4rgerlich war nur eine Lekt\u00fcre: <em>Der Zweikampf<\/em> ist in meinen Augen wirklich gr\u00fcndlich daneben gegangen.<\/p>\n<p>Meine bewegendsten Momente jenseits der Lekt\u00fcre hatte ich ganz sicher in Frankfurt \/ Oder. Die \u201eKleist-WG\u201c war die Ausstellung zu meinem Kleistjahr \u2013 heutig, assoziativ, lebendig. Die offizielle Doppelausstellung in Frankfurt und Berlin war dagegen, auch in der R\u00fcckschau mit einem halben Jahr Abstand, frustrierend museal, trotz aller krampfiger Bem\u00fchung um Aktualit\u00e4t. Der widerspr\u00fcchliche, anstrengende Kleist fand viel eher in der Kleist-WG statt. Mein Trip an den Rand der Republik, meine Gespr\u00e4che am Rande der Kleistgrab-Baustelle in Berlin, in der Kleist-WG und im Garten des Kleist-Museums in Frankfurt, liegend im Kleist-Liegestuhl, waren ungeheuer spannende und begl\u00fcckende Momente.<\/p>\n<p>Und es gab die sch\u00f6nen Gespr\u00e4che hier in K\u00f6ln mit Freundinnen und Freunden, die mir oftmals halfen, meine Gedanken und Gef\u00fchle auf die Reihe zu bekommen und in Worte zu fassen. Vielen Dank an alle, die mich im vergangenen Jahr mit Anregungen, Hinweisen, Artikeln, Links, Widerspruch und Zustimmung versorgt haben!<\/p>\n<p>Heute beende ich diesen Blog. Die Kommentare sind geschlossen, die Seiten bleiben aber bis auf weiteres im Netz. Wer mir schreiben will, kann dies weiterhin per E-Mail tun: mein-kleistjahr@martinfueg.de.<\/p>\n<p>Und wie geht es weiter? Durch den Kanon der Weltliteratur werde ich mich ganz sicher nicht weiter auf diese Art durcharbeiten, keine Sorge &#8230; Aber Ideen f\u00fcr neue Projekte habe ich und freue mich auf das, was kommt. Demn\u00e4chst mehr!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war ein spannendes Jahr \u2013 das habe ich allein daran gemerkt, wie schwer es mir fiel, nach dem Zuschlagen meiner drei dunkelblauen Hanser-B\u00fccher am 31. 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