{"id":94,"date":"2011-01-23T13:30:52","date_gmt":"2011-01-23T12:30:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/?p=94"},"modified":"2012-03-01T18:20:41","modified_gmt":"2012-03-01T17:20:41","slug":"hallo-wilhelmine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/01\/23\/hallo-wilhelmine\/","title":{"rendered":"Hallo Wilhelmine"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/wilhelminevonzenge.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-95\" title=\"Wilhelmine von Zenge\" src=\"http:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/wilhelminevonzenge-231x300.jpg\" alt=\"Wilhelmine von Zenge\" width=\"231\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/wilhelminevonzenge-231x300.jpg 231w, https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/wilhelminevonzenge.jpg 463w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a>Nun sind wir in die seltsamsten Liebesbriefe der Literaturgeschichte eingetaucht, und wir lernen <a title=\"Wilhelmine von Zenge bei Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelmine_von_Zenge\" target=\"_blank\">Wilhelmine von Zenge<\/a> kennen, Tochter aus gutem (Nachbars-)Haus. Kleist hatte sich \u00fcberlegt, dass er in sie verliebt sein k\u00f6nnte und ihr einen Heiratsantrag gemacht; sie antwortete ihm, dass sie \u201eihn weder liebe, noch seine Frau zu werden w\u00fcnsche, doch w\u00fcrde er mir als Freund immer recht werth sein\u201c. Er lie\u00df nicht locker, und Wilhelmines Eltern \u201egaben ihre Einwilligung, doch mit der Bedingung, so lange zu warten bis er ein Amdt habe, welches ich auch sehr zufrieden war\u201c. <!--more-->Vermutlich, weil Wilhelmine sich schon erleichtert dachte, dass das dann noch eine Weile dauern k\u00f6nnte bis zur Hochzeit. Es wurde eine lange und trostlose Verlobungszeit, die im wesentlichen durch eigenartig verkrampfte Briefe Kleists dokumentiert ist, die wenig Liebe erkennen lassen. Wieder entsteht der Eindruck, Kleists verzweifelter Wille zum Lebensplan, der dann bitte, verdammt noch mal, auch umgesetzt werden muss, war hier treibende Kraft. Ach, Heinrich, das h\u00e4tten wir Dir doch gleich sagen k\u00f6nnen, dass das so nichts wird.<\/p>\n<p>Kleist wirbt nicht um diese Frau, er versucht nicht, ihr Herz zu gewinnen, er flirtet nicht, man hat keinen Spa\u00df miteinander \u2013 nat\u00fcrlich, uns fehlen die Mitschnitte ihrer Gespr\u00e4che, aber die (zumindest ersten) Briefe haben, auch da, wo sie sich auf Gespr\u00e4che zwischen den beiden beziehen, nichts spielerisches oder gar erotisches. Kleist versucht in seinem <em>Brief von April \/ Anfang Mai 1800<\/em>, ihr ein Liebesbekenntnis zu entlocken, und er tut das so gewaltsam und verkrampft, dass mal wieder der Eindruck entsteht, eigentlich versucht er sich selbst zu \u00fcberreden, diese Frau zu lieben:<\/p>\n<blockquote><p>Sagen Sie es mir, wenn Sie mich lieben \u2013 denn warum sollten Sie sich dessen sch\u00e4men? <em>Bin ich nicht ein edler Mensch<\/em>, Wilhelmine?<br \/>\nZwar eigentlich \u2013 \u2013 ich will es Ihnen nur offenherzig gestehen, Wilhelmine, was Sie auch immerhin von meiner Eitelkeit denken m\u00f6gen \u2013 eigentlich bin ich es <em>fest \u00fcberzeugt<\/em>, da\u00df Sie mich lieben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns die beiden nur in unterschiedlichen Sofaecken vorstellen, mit einer Teetasse in der Hand, Wilhelmine den geistigen Erg\u00fcssen Heinrichs stumm zuh\u00f6rend. \u00dcber die Erg\u00fcsse wird hier noch zu reden sein. Die beiden haben vom ersten Tag an das Verh\u00e4ltnis eines Nachhilfelehrers zu seiner Sch\u00fclerin gehabt. Kleist, selbst nicht mit echtem Selbstbewusstsein gesegnet, fand hier offensichtlich eine, die noch weniger von den eigenen Gaben \u00fcberzeugt war und die <em>Denk\u00fcbungen<\/em>, die er f\u00fcr sie erstellte, bereitwillig absolvierte.<\/p>\n<p>Einen Beleg f\u00fcr eine heterosexuelle Veranlagung Kleists stellen die versammelten Briefe von ihm an sie jedenfalls nicht dar. Unwahrscheinlich, dass es zu bedeutenderen Z\u00e4rtlichkeiten zwischen ihnen gekommen ist.<\/p>\n<p>Wilhelmine fand sp\u00e4ter, 1803, doch noch ihr Gl\u00fcck. Als Heinrich und sie endlich, nach langen Jahren, den Mut fanden, die Farce namens Verlobung aufzul\u00f6sen, verliebte sie sich in Wilhelm Traugott Krug, einen Professor an der Universit\u00e4t Frankfurt \/ Oder, heiratete ihn und hatte sechs Kinder mit ihm. Kleist war sie f\u00fcr die Bildung, die er ihr vermittelte, offensichtlich durchaus dankbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun sind wir in die seltsamsten Liebesbriefe der Literaturgeschichte eingetaucht, und wir lernen Wilhelmine von Zenge kennen, Tochter aus gutem (Nachbars-)Haus. Kleist hatte sich \u00fcberlegt, dass er in sie verliebt sein k\u00f6nnte und ihr einen Heiratsantrag gemacht; sie antwortete ihm, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/01\/23\/hallo-wilhelmine\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[19,14,13,28],"class_list":["post-94","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-briefe","tag-lebensentwuerfe","tag-liebe","tag-sexualitaet","tag-wilhelmine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=94"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":97,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94\/revisions\/97"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=94"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=94"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.martinfueg.de\/mein-kleistjahr\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=94"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}